Seite wählen

Zeitumstellung – Muss das wirklich sein?

von | 05. Apr 2019

Bestimmt stellst auch du dir exakt zwei Mal jedes Jahr diese Frage. Einmal im Frühjahr und einmal im Herbst und bestimmt hoffst du jedes Mal, dass die Zeitumstellung endlich abgeschafft wird.

Sonntagmorgen, der Sonntag nach der Zeitumstellung auf Winterzeit. Die Zeitumstellungshalbjahresroutine nimmt ihren Lauf. Ab in die Küche, die Kaffeemaschine anschalten und anschließend die Wanduhr umstellen. War einfach, musste nur am kleinen Zeiger drehen. Nun die Uhr am Backofen umstellen. Wie war das noch? Wo befindet sich diese verdammte Bedienungsanleitung? Keine Ahnung! Also Trial and Error. Geschafft! Kaffee einschenken.

Den Wecker im Schlafzimmer hatte ich vorsichtshalber bevor ich ins Bett gegangen bin umgestellt. Die Computer, Mobiltelefone und diverse andere Geräte stellen sich automatisch um, hoffe ich jedenfalls.

Seit nunmehr 40 Jahren findet diese oder eine ähnliche Routine in fast jedem Haushalt in Deutschland statt. Eigentlich um Energie (vor allem bei der Beleuchtung) zu sparen. Dieses Argument war und ist nach wie vor umstritten.

Das durch den Deutschen Bundestag beauftragte Büro für Technik-Folgen-Abschätzung (TAB) kam in seiner “Bilanz zur Sommerzeit” zu dem Ergebnis, dass auf Basis der vorliegenden Informationen “die möglichen bzw. tatsächlichen Energieeinsparungen allenfalls minimal bzw. zu vernachlässigen sind”.

Operativer Mehraufwand

Mit dem gefüllten Kaffeebecher gehts ins Büro. Ein kurzer Blick auf die Funkuhr, sie zeigt noch Sommerzeit. So ein Mist. Die Batterie aus der Funkuhr entfernen, kurz warten, die Batterie wieder einlegen, gespanntes warten. “Ob sie anfängt sich mit der Atomuhr in Berlin zu synchronisieren?” frage ich mich. Mist, wäre auch zu schön gewesen.

Erst einmal einen Schluck Kaffee, dann Problemlösung. Batterie wieder raus, anschließend wieder einlegen, die Uhr auf die Fensterbank stellen, warten. Glück gehabt, die Zeiger fangen an sich wie wild zu drehen und halten irgendwann an.

Nicht nur bei mir führt die Zeitumstellung jedes Mal zu einem operativen Mehraufwand. Beim Centralschweizerischen Kraftwerke in Luzern hingegen “summieren sich die Kosten auf über 10.000 Schweizer Franken pro Jahr”, erklärt Marcel Schmid (Leiter Unternehmenskommunikation und Sprecher der CKW) auf Blick.

Die Zeitumstellung bei der Deutschen Bahn ist mit der Zeitumstellung einen viel größeren Aufwand verbunden. S-Bahnen müssen vielerorts doppelt fahren – einmal nach Sommerzeit und einmal nach Winterzeit-, Züge fahren bei Sommerzeit los und kommen bei Winterzeit an – sind also verspätet oder fallen aus.

Die inneren Uhren hören auf Licht und Dunkel

Montag morgen, der Montag nach der Zeitumstellung. Mein Wecker meldet sich lautstark. Er zeigt 6:30 Uhr an. Licht fällt durch die Schlitze der Jalousie. Ich bin verwirrt. “Ach ja, wir hatten ja vorgestern Nacht die Umstellung von Sommerzeit auf Normalzeit (Winterzeit)”, schießt es mir durch den Kopf.

Eigentlich ist es jetzt erst 6:30 Uhr. Mein Körper signalisiert mir deutlich, dass es viel zu früh ist, das Bett zu verlassen. Ich tappe schlaftrunken ins Badezimmer. Mir ist jetzt schon klar, dass dieser Arbeitstag von wenig Produktivität gekrönt sein wird.

“Die inneren Uhren hören auf Licht und Dunkel und die werden nicht umgestellt wenn wir die Uhr umstellen”, berichtet Prof. Dr. Till Roenneberg (Professor für medizinische Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München) im Deutschlandfunk Nova im interview mit Ralph Günther.

Viele Experten warnen vor gesundheitlichen Schäden durch die Zeitumstellung. So auch Dr. Jens Acker (Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin, Bad Zurzach) und Prof. Russell Foster (Professor für Neurowissenschaften an der Universität Oxford).

Abschaffung der Zeitumstellung

Deutliche Worte fanden Wissenschaftler auf einer Expertenkonferenz im Oktober 2016 in Brüssel . “Die Zeitumstellung bringt keine Energieersparnis, aber erhebliche Gesundheitsrisiken und hohe Kosten für die Wirtschaft”, fasst Heinz K. Becker (Mitglied des Europäischen Parlaments, 2011 bis 2019) zusammen.

Er fordert die EU-Kommission in einer Videobotschaft auf YouTube auf „endlich zu handeln und den Riesenaufwand für etwas, das keine Vorteile, sondern nur Schaden bringt, zu beenden“. Genau wie die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin plädiere ich für die Beibehaltung der Normalzeit.

Das EU-Parlament hat bereits im März 2019 die letztmalige Umstellung im Jahr 2021 beschlossen. Sie Mitgliedsstaaten müssen sich nur noch selber entscheiden ob sie dauerhaft Sommerzeit oder Normalzeit beibehalten wollen. “Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Ende August zwar den Kommissionsvorschlag einer Abschaffung des Wechsels unterstützt, aber keine Präferenz für ewige Sommer- oder Winterzeit geäußert” berichtet Der Tagesspiegel.

Auch viele andere Staaten tun sich aus den unterschiedlichsten Gründen schwer mit einer Entscheidung. Ob und wann die Zeitumstellung abgeschafft wird, wir werden sehen.

Meine Tipps für künftige Zeitumstellungen

Die Umstellung auf Normalzeit (Winterzeit) findet am letzten Sonntag im Oktober statt.
Die Uhr wird um 3:00 Uhr nachts auf 2:00 Uhr zurückgestellt.

  • An den Tagen vor der Umstellung jeden Tag 15 Minuten später Schlafen gehen
  • Am Wochenende der Umstellung möglichst spät – aber noch bei Tageslicht – einen ausgedehnten Spaziergang machen
  • Helles blaues Kunstlicht am Abend vor der Umstellung

Die Umstellung auf Sommerzeit findet am letzten Sonntag im März statt.
Die Uhr wird um 2:00 Uhr nachts auf 3:00 Uhr vorgestellt.

  • An den Tagen vor der Umstellung 15 Minuten früher Schlafen gehen
  • Am Abend vor der Umstellung ins Kino gehen oder ein klassisches Konzert besuchen
  • Morgens bei Tageslicht draußen Sport oder einen Spaziergang machen.

Registriere dich für meinen kostenlosen Newsletter und du bekommst Infos zu neuen Produkten, Angeboten, nützliche Tipps und Inspirationen.

Auf dieser Seite werden Bilder von folgenden Urhebern genutzt: Janine Guldener und Marion Filzek